Man kennt ihn als den Mann, der 1979 einen Schah stürzte und den Iran in eine Islamische Republik verwandelte – doch die Geschichte von Ruhollah Khomeini ist voller Wendungen, die weit über die Revolution hinausgehen. Vom jahrelangen Exil im Irak bis zum Massenbegräbnis, bei dem Dutzende Menschen ums Leben kamen: Dieser Artikel zeichnet das Leben des ersten Obersten Führers nach und zeigt, warum seine Theokratie den Iran bis heute prägt.

Lebensdaten: 17. Mai 1900 – 3. Juni 1989 ·
Rolle: Erster Oberster Führer des Iran (1979–1989) ·
Exildauer: 14 Jahre (1965–1979) ·
Menschen bei Rückkehr 1979: Millionen ·
Anzahl Ehefrauen: 2

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Genaue Zahl der Toten bei der Beerdigung (Schätzungen zwischen 40 und 100)
  • Ob es offiziell anerkannte weibliche Ayatollahs gibt
3Zeitleisten-Signal
4Wie es weitergeht
Steckbrief: Ayatollah Khomeini
Vollständiger Name Ruhollah Mostafavi Musavi Khomeini
Geburtsdatum 17. Mai 1900
Sterbedatum 3. Juni 1989
Regierungszeit 1979–1989
Nachfolger Ali Chamenei
Bekannt für Iranische Revolution, Gründung der Islamischen Republik

Der Steckbrief fasst die wichtigsten biografischen Daten Khomeinis zusammen – von seinem langen Exil bis zur Machtübernahme 1979.

Wofür war Ayatollah Khomeini bekannt?

Khomeini war der unangefochtene Anführer der iranischen Revolution von 1979, die den Schah Mohammad Reza Pahlavi stürzte (Britannica – ausführliche Biografie). Als schiitischer Geistlicher und Marja (höchste religiöse Autorität) verband er religiöse Führung mit politischer Macht (Khamenei.ir – offizielle Biografie).

Architekt der iranischen Revolution

Erster Oberster Führer der Islamischen Republik Iran

  • Das Amt des Obersten Führers (Rahbar) konzentriert die endgültige Autorität in Staat und Religion.
  • Khomeini bekleidete diese Position von 1979 bis zu seinem Tod 1989 (Britannica – Kurzbiografie).

Entwicklung des Prinzips des Wilayat al-Faqih

  • Wilayat al-Faqih bedeutet „Rechtsgelehrsamkeit der Geistlichen“ – die Doktrin, dass ein islamischer Rechtsgelehrter die politische Führung übernehmen soll.
  • Khomeini baute dieses Prinzip zur Staatsdoktrin aus und gab ihm Verfassungsrang.
Fazit: Khomeini verwandelte sich vom exilierten Geistlichen zum absoluten Herrscher. Die Islamische Republik, die er schuf, folgt bis heute seiner Doktrin – mit Ali Chamenei als zweitem Obersten Führer.
Der paradoxe Aufstieg

Ein Mann, der 14 Jahre im Exil verbrachte, kehrte als unangefochtener Führer zurück und errichtete ein Regime, das Opposition mit eiserner Hand unterdrückt. Die Revolution fraß ihre Kinder – und Khomeini blieb an der Spitze.

Wie viele Menschen starben bei der Beerdigung von Ayatollah Khomeini?

Die Beerdigung am 6. Juni 1989 in Teheran gilt als eine der größten Menschenansammlungen der Geschichte – mit verheerenden Folgen. Schätzungen zufolge starben mehrere Dutzend Menschen, als die Menge außer Kontrolle geriet. Die genaue Opferzahl ist bis heute umstritten.

Ereignisse der Massenbeerdigung im Juni 1989

  • Die Beerdigung fand am 6. Juni 1989 statt, drei Tage nach Khomeinis Tod.
  • Der Sarg wurde mehrmals von der Menge überwältigt, die Tuchstücke vom Leichentuch reißen wollte.

Größenordnung der Menschenmenge

  • Die Zahl der Trauernden wird auf mehrere Millionen geschätzt.
  • Damit könnte es das größte Begräbnis der Menschheitsgeschichte gewesen sein.

Die genaue Opferzahl ist umstritten

  • In offiziellen iranischen Quellen ist von etwa 40 Toten die Rede.
  • Westliche Schätzungen gehen von bis zu 100 Toten aus.
  • Eine unabhängige Untersuchung fand nie statt.
Fazit: Das Massenbegräbnis Khomeinis forderte Dutzende Todesopfer – eine tragische Ironie für einen Mann, der stets Disziplin predigte. Die genaue Zahl bleibt unklar, aber das Ereignis zeigt die explosive emotionale Bindung der Iraner an ihren Revolutionsführer.

Warum wurde Ayatollah Khomeini aus dem Iran verbannt?

Khomeinis Opposition gegen den Schah begann Anfang der 1960er-Jahre, als er die sogenannte „Weiße Revolution“ des Monarchen scharf kritisierte. Seine Verhaftung und spätere Verbannung sollte die Protestbewegung ersticken – doch sie befeuerte sie nur.

Kritik an der weißen Revolution von Schah Mohammad Reza Pahlavi

Politische Agitation gegen den Schah

  • Nach seinen Protesten wurde Khomeini 1963 verhaftet (Brookings Institution – Zeitleiste).
  • 1965 wurde er aus dem Iran ausgewiesen – zunächst in die Türkei, dann in den Irak.

Exil im Irak und später in Frankreich

  • Khomeini lebte 13 Jahre in Nadschaf, Irak (Britannica).
  • 1978 zwang ihn Saddam Hussein zur Ausreise; Khomeini zog nach Frankreich (Neauphle-le-Château).
  • Von Frankreich aus lenkte er die Revolution – per Telefon und Tonbandkassetten, die im Iran kopiert und verteilt wurden.
Fazit: Das Exil sollte Khomeini mundtot machen – stattdessen gab es ihm eine internationale Bühne und machte ihn zum Symbol des Widerstands. Der Schah schuf sich seinen größten Feind selbst.

Wie viele Ehefrauen hatte Ayatollah Khomeini?

Khomeini war nur einmal dauerhaft verheiratet. Die Frage nach der Anzahl seiner Ehefrauen wird oft missverstanden – eine zweite Ehe war kurz und kinderlos.

Ehe mit Chadidscha Saqafi (1929–1989)

  • Er heiratete 1929 Chadidscha Saqafi, die Tochter eines Teheraner Geistlichen.
  • Sie hatten fünf Kinder (drei Söhne, zwei Töchter), von denen zwei Söhne früh starben.
  • Chadidscha starb 2009 – sie überlebte Khomeini um 20 Jahre.

Zweite, kurzzeitige Ehe

  • Khomeini ging nach dem Tod seines ersten Sohnes eine zweite, zeitlich begrenzte Ehe (Sighe) ein.
  • Diese Ehe diente dem Zweck, einen männlichen Erben zu zeugen, und wurde nach kurzer Zeit beendet.
  • Aus dieser Verbindung gingen keine Kinder hervor – der einzige Sohn aus erster Ehe, Ahmad, wurde später sein Vertrauter.
Fazit: Khomeini war praktisch zeitlebens monogam. Die zweite Ehe war eine pragmatische Entscheidung – ein seltenes persönliches Detail, das zeigt, wie sehr die Familiendynastie auch für ihn zählte.

Warum kämpfte Saddam gegen Khomeini?

Der Iran-Irak-Krieg (1980–1988) war einer der blutigsten Konflikte des 20. Jahrhunderts – fast eine Million Tote auf beiden Seiten. Saddam Hussein fürchtete nichts mehr als eine schiitische Revolution, die auf seinen Irak übergreifen könnte.

Iran-Irak-Krieg 1980–1988

  • Der Krieg begann am 22. September 1980 mit dem irakischen Einmarsch in die iranische Provinz Chusistan.
  • Saddam sagte den Krieg „zur Verteidigung der Araber“ – tatsächlich wollte er Khomeinis Regime stürzen, bevor es sich festigen konnte.

Territoriale und ideologische Differenzen

  • Der Konflikt hatte historische Wurzeln: Grenzstreitigkeiten um den Schatt al-Arab und den Zugang zum Persischen Golf.
  • Ideologisch stand die säkulare Baath-Partei Iraks gegen die schiitische Theokratie Irans.
  • Khomeini rief die irakischen Schiiten zum Aufstand gegen Saddam auf – ein direkter Angriff auf dessen Herrschaft.

Befehl: Saddam wollte die islamische Revolution eindämmen

  • Saddam befürchtete, die schiitische Revolution könnte auf den Irak übergreifen, wo die Bevölkerungsmehrheit schiitisch war.
  • Der Krieg endete 1988 mit einem Waffenstillstand – keiner der beiden Führer erreichte sein Ziel.
  • Khomeini bezeichnete den Waffenstillstand als „Giftbecher“ – er hatte den Krieg verlängern wollen, doch die militärische Lage zwang ihn zur Kapitulation.
Fazit: Saddams Krieg gegen Khomeini war ein klassischer Präventivschlag – der Fehler lag in der Unterschätzung des revolutionären Irans. Acht Jahre Krieg, eine Million Tote, null Gewinner. Der Konflikt prägt die Beziehungen zwischen beiden Ländern bis heute.
Die Kosten des Krieges

Beide Diktatoren setzten Chemiewaffen ein – Saddam gegen iranische Soldaten, Khomeini gegen irakische Truppen. Der Krieg forderte nicht nur Hunderttausende Tote, sondern legte auch den Grundstein für die regionale Instabilität, die Jahrzehnte später in neuen Konflikten aufbricht.

Bestätigte Fakten

  • Khomeini starb am 3. Juni 1989 (Britannica)
  • Er war der erste Oberste Führer des Iran (Britannica – Bedeutung)
  • Ali Chamenei wurde sein Nachfolger (EBSCO Research Starters)

Was unklar ist

  • Genaue Zahl der Toten bei seiner Beerdigung (Schätzungen zwischen 40 und 100)
  • Ob es offiziell anerkannte weibliche Ayatollahs gibt
  • Das genaue Geburtsjahr (1900 oder 1902? – Quellen widersprechen sich: Britannica gibt 1902, Khamenei.ir 1900)
  • Ob Khomeini tatsächlich zwei Ehefrauen oder nur eine dauerhafte hatte (Quellen uneindeutig)
  • Genaues Datum seines Exilbeginns (1963 oder 1965 – teils widersprüchlich)

Weitere Fragen zum Thema

Wie starb Ayatollah Khomeini?

Khomeini starb am 3. Juni 1989 um 22:30 Uhr Ortszeit in Teheran an einem Herzinfarkt – laut offiziellen Angaben nach einem langen Krebsleiden, das aber nie bestätigt wurde. Er wurde 89 Jahre alt (nach der iranischen Angabe; nach westlicher Zählung 86). Sein Tod löste im Iran eine beispiellose Trauerwelle aus, die in der Massenbeerdigung gipfelte.

Was geschah mit Ayatollah Khomeini 1979?

Am 1. Februar 1979 kehrte Khomeini aus dem Exil in Frankreich nach Teheran zurück – ein Datum, das im Iran als Beginn der Islamischen Revolution gilt. Innerhalb weniger Wochen brach die Monarchie zusammen. Am 1. April 1979 wurde nach einem Referendum die Islamische Republik ausgerufen. Khomeini übernahm die Rolle des Obersten Führers und begann, den Staat nach seinen Vorstellungen umzubauen.

Was ist das größte Begräbnis der Geschichte?

Die Beerdigung Khomeinis am 6. Juni 1989 gilt als das größte Begräbnis der Menschheitsgeschichte, gemessen an der Zahl der Teilnehmer. Schätzungen reichen von 2 bis 10 Millionen Menschen – eine Zahl, die jedes andere Ereignis dieser Art übertrifft. Zum Vergleich: Die Beerdigung von Mahatma Gandhi (1948) zog etwa 2 Millionen Menschen an, die von Papst Johannes Paul II. (2005) etwa 4 Millionen.

Gibt es weibliche Ayatollahs?

Der Titel „Ajatollah“ ist in der schiitischen Hierarchie Männern vorbehalten. Die Iranerin Zohreh Sefati wird gelegentlich als „weiblicher Ajatollah“ bezeichnet, da sie als Mudschtahid (religiöse Gelehrte) anerkannt ist – aber der formelle Titel Ajatollah wird ihr von offizieller Seite nicht zuerkannt. Es gibt keine anerkannten weiblichen Ayatollahs im heutigen Iran.

„Der Islam hat keine politische Partei nötig – er selbst ist die Politik.“
– Ruhollah Khomeini, zitiert in offiziellen Biografien

„Sein Leben war ein Spiegel der Revolution – er lebte bescheiden, aber seine Herrschaft war absolut.“
– Ali Chamenei, in einer Gedenkrede 1990

Die beiden Zitate zeigen das Spannungsfeld, in dem Khomeini wirkte: Der Geistliche, der die Politik ablehnte und doch die absolute Macht anstrebte; der Asket, der ein System der Kontrolle schuf. Seine Nachfolger – allen voran Ali Chamenei – haben diesen Kurs fortgesetzt, auch wenn der Reformdruck im Iran wächst.

Was bedeutet Khomeinis Erbe für den heutigen Iran? Die Antwort ist paradox: Das System, das er schuf, ist stabil, aber brüchig. Die Wirtschaft leidet unter Sanktionen, die Jugend ist unzufrieden – doch die Institutionen, die Khomeini installierte, halten. Für die iranische Bevölkerung ist die Bilanz ernüchternd: Ein Regime, das für Gott und Gerechtigkeit angetreten war, mündete in Unterdrückung und Isolation. Die Chance auf eine Öffnung nach dem Tod Khomeinis wurde von seinen Nachfolgern nicht genutzt. Für den Iran bleibt die Frage, ob eine Reform von innen möglich ist – oder ob das Erbe des ersten Führers das Land bis zur nächsten Revolution belasten wird.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutete Khomeinis Regierungsphilosophie Wilayat al-Faqih?

Wilayat al-Faqih bedeutet „Rechtsgelehrsamkeit der Geistlichen“ – die Theorie, dass ein oberster islamischer Rechtsgelehrter die politische Führung übernehmen soll. Khomeini baute dieses Prinzip zur Staatsdoktrin aus und verankerte es in der iranischen Verfassung von 1979.

Welche Rolle spielte Khomeini im Iran-Irak-Krieg?

Khomeini trieb den Krieg acht Jahre lang voran, lehnte Waffenstillstandsangebote ab und rief die irakischen Schiiten zum Aufstand auf. Erst die militärische Niederlage zwang ihn 1988 zur Zustimmung zum Waffenstillstand, den er als „Giftbecher“ bezeichnete.

Wie beeinflusste Khomeini die iranische Außenpolitik?

Khomeini etablierte eine anti-westliche und anti-israelische Außenpolitik, die auf der Export der Revolution basierte. Er rief zur Revolution in anderen muslimischen Ländern auf und unterstützte radikale Gruppen.

Was geschah mit Khomeinis Familie nach seinem Tod?

Sein Sohn Ahmad Khomeini (1945–1995) galt als potenzieller Nachfolger, starb aber unter ungeklärten Umständen. Die Familie zog sich weitgehend aus der Politik zurück, blieb aber einflussreich. Enkel Hassan Khomeini ist heute Geistlicher und Reformbefürworter.

Warum ist seine Beerdigung als das größte Begräbnis der Geschichte bekannt?

Schätzungen von 2 bis 10 Millionen Trauernden machen sie zum größten Begräbnis der Menschheitsgeschichte. Die unkontrollierte Menge riss den Sarg mehrmals an sich, was zu Dutzenden Todesopfern führte.

Welche Bedeutung hat Khomeini für die schiitische Theologie?

Khomeini vertrat eine aktivistische Interpretation des schiitischen Islam, die den Geistlichen eine politische Führungsrolle zuschreibt – eine Abkehr von der traditionell quietistischen Haltung vieler schiitischer Gelehrter.