
Evangelische Kirche: Struktur, Mitglieder und aktuelle News
Die Evangelische Kirche in Deutschland – ein Begriff, der für viele eine vertraute Institution beschreibt, deren genaue Struktur und aktuelle Lage aber oft im Dunkeln bleibt. Was 2025 mit rund 17,4 Millionen Mitgliedern in 20 Landeskirchen tatsächlich hinter dem Namen steckt, ist mehr als nur ein religiöses Bekenntnis. Dieser Artikel liefert ein verifiziertes Lagebild: von der Organisation über die Mitgliederentwicklung bis hin zu den drängenden Fragen der Gegenwart.
Mitgliederzahl: ca. 17,4 Millionen (2025) ·
Landeskirchen: 20 ·
Gründungsjahr der EKD: 1948 ·
Durchschnittliche Kirchensteuer: 8–9 % des Einkommens
Kurzüberblick
- 20 Landeskirchen mit insgesamt 17,4 Millionen Mitgliedern (EKD-Statistik)
- Kirchensteuer wird von Finanzämtern eingezogen (EKD-Information)
- Zukünftige Mitgliederentwicklung nach 2025
- Nachfolge für den Ratsvorsitz nach Rücktritt von Annette Kurschus
- 1517: Thesenanschlag Martin Luthers
- 2023: Rücktritt von Ratsvorsitzender Annette Kurschus
- Neue Impulse aus der EKD-Synode 2025/2026
- Personelle Wechsel im Bischofsamt
Fünf zentrale Kennzahlen geben einen ersten Eindruck von der Größe und Struktur der Evangelischen Kirche in Deutschland – von der Gründung der Dachorganisation bis zur aktuellen Kirchensteuer.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Gründung der EKD | 1948 |
| Mitglieder (2025) | 17,4 Millionen |
| Landeskirchen | 20 |
| Vorsitzender des Rates | Annette Kurschus (bis Nov. 2023), danach kommissarisch |
| Kirchensteuer | 8–9 % des Einkommens |
Was ist die Evangelische Kirche?
Definition und Abgrenzung
Die Evangelische Kirche umfasst all jene Kirchen, die in der Tradition der Reformation des 16. Jahrhunderts stehen. Der Begriff wird synonym mit „protestantische Kirche“ verwendet, ist aber im deutschen Sprachraum enger mit den lutherischen, reformierten und unierten Kirchen verbunden. Die EKD (offizielle Dachorganisation) beschreibt sich selbst als Zusammenschluss von 20 evangelischen Gliedkirchen, zu denen jede Gemeinde gehört.
Historische Wurzeln der Reformation
Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen – ein Datum, das als Beginn der Reformation gilt. Aus dieser Bewegung entstanden die evangelischen Landeskirchen, die sich im Laufe der Jahrhunderte in den deutschen Territorien etablierten. Die Gründung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) als Dachorganisation erfolgte erst 1948 in EKD-Überblick zur Geschichte.
Evangelische Kirche als Oberbegriff
Im Alltag wird „Evangelische Kirche“ oft als Sammelbezeichnung für alle evangelischen Gemeinden in Deutschland verwendet. Tatsächlich ist die EKD kein einheitlich zentralisierter Kirchenstaat, sondern ein Verbund regionaler Landeskirchen mit eigenen Mitgliedszahlen und Gemeinden, wie die EKD-Statistik (Mitgliederzahlen) klarstellt.
Die Evangelische Kirche ist kein monolithischer Block, sondern ein föderales Gebilde aus 20 eigenständigen Landeskirchen – das erklärt, warum Reformen manchmal langsam vorankommen und regionale Unterschiede groß sind.
Wie ist die Evangelische Kirche in Deutschland organisiert?
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)
Die EKD ist die Dachorganisation der evangelischen Landeskirchen. Sie koordiniert gemeinsame Aufgaben, gibt Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Fragen ab und veröffentlicht regelmäßig Mitgliederzahlen. Die EKD hat ihren Sitz in Hannover und wird von einem Rat geleitet. Die EKD-Beschreibung der Organisationsstruktur hebt hervor, dass jede Landeskirche in eigener Verantwortung handelt.
Die 20 Landeskirchen
Jede Landeskirche ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit eigener Leitung – sei es ein Bischof, eine Bischöfin, ein Präses oder ein Kirchenpräsident. Die folgende Tabelle zeigt die fünf größten Landeskirchen nach Mitgliederzahl (Stand 31.12.2025):
Sechs Landeskirchen, ein klares Muster: Die größten Mitgliederzahlen konzentrieren sich auf die norddeutschen und westlichen Regionen – die neuen Bundesländer sind deutlich kleiner.
| Landeskirche | Mitglieder (31.12.2025) |
|---|---|
| Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers | 2.096.179 |
| Evangelische Kirche im Rheinland | 2.054.811 |
| Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern | 1.968.531 |
| Evangelische Kirche von Westfalen | 1.825.128 |
| Evangelische Landeskirche in Württemberg | 1.673.041 |
| Evangelische Kirche in Hessen und Nassau | 1.219.797 |
(Quelle: EKD-Aufbau der evangelischen Kirche)
Die föderale Struktur ist Stärke und Schwäche zugleich: Regionale Nähe und Eigenständigkeit stehen im Spannungsfeld zu überregionaler Koordination und einheitlichen Reformen – ein Thema, das auf der Synode immer wieder heiß diskutiert wird.
Kirchenkreise und Gemeinden vor Ort
Unterhalb der Landeskirchenebene gliedert sich die Kirche in Kirchenkreise und schließlich in einzelne Gemeinden. Die EKD zählte zum 31.12.2025 insgesamt 11.436 Kirchengemeinden – jede mit eigenen Kirchengebäuden, Pfarrämtern und Angeboten. Die EKD-Statistik (Landeskirchen) listet diese Zahlen auf.
Das Muster: Die Gemeindedichte variiert erheblich – in urbanen Zentren stehen oft größere Einheiten, während ländliche Regionen mit Schrumpfung kämpfen.
Wer leitet die Evangelische Kirche?
Der Vorsitzende des Rates der EKD
Der Rat der EKD wählt einen Vorsitzenden oder eine Vorsitzende. Bis November 2023 bekleidete Annette Kurschus dieses Amt, trat jedoch zurück. Seitdem führt ein kommissarischer Vorsitz die Geschäfte. Die EKD-Information zum Rat beschreibt die Wahlmodalitäten: Der Rat besteht aus 15 Mitgliedern, die von der Synode und der Kirchenkonferenz gewählt werden.
Die Rolle der Bischöfe
Jede Landeskirche hat eigene Leitungsgremien. In den meisten Landeskirchen steht ein Bischof oder eine Bischöfin an der Spitze, in anderen ein Präses oder Kirchenpräsident. Die zweite Tabelle fasst die größten Landeskirchen zusammen – die Zahlen belegen eine nordwestliche Schlagseite.
| Landeskirche | Leitungstitel |
|---|---|
| Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers | Landesbischof |
| Evangelische Kirche im Rheinland | Präses |
| Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern | Landesbischof |
| Evangelische Kirche von Westfalen | Präses |
| Evangelische Landeskirche in Württemberg | Landesbischof |
Die Leitungstitel variieren je nach Landeskirche, spiegeln aber dasselbe Prinzip: regionale Eigenverantwortung.
Amtszeit und Wahlverfahren
Die Amtszeit eines Bischofs oder einer Bischöfin variiert je nach Landeskirche, beträgt aber meist zwölf Jahre mit Möglichkeit der Wiederwahl. Die Wahl erfolgt durch eine Landessynode oder einen speziellen Wahlausschuss. Die EKD-Seite zum Bischofsamt gibt einen Überblick.
Die Auswirkung: Die Vielzahl der Wahlverfahren erschwert schnelle Personalentscheidungen – die aktuelle Vakanz im Ratsvorsitz ist ein Beispiel dafür.
Wie viele Mitglieder hat die Evangelische Kirche?
Mitgliederentwicklung der letzten Jahre
Die Entwicklung der Mitgliederzahlen ist rückläufig. Zum Stichtag 31.12.2025 gehörten rund 17,4 Millionen Menschen einer der 20 Landeskirchen an – exakt 17.392.072, wie die EKD-Statistik (Mitgliederzahlen) meldet. Das entspricht einem Rückgang von 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als die EKD noch 17.980.000 Mitglieder verzeichnete (Quelle: EKD-Meldung 2024).
Die Austrittszahlen steigen, während die Zahl der Taufen und Wiedereintritte nicht ausreicht, um die Verluste auszugleichen. Für 2025 nannte die EKD rund 120.000 Neuzugänge – eine Zahl, die auf Presseportal (EKD-Pressemitteilung) veröffentlicht wurde.
Regionen mit hohem evangelischen Anteil
Die größten evangelischen Landeskirchen liegen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Die Landeskirche Hannover führt mit über 2 Millionen Mitgliedern, gefolgt von der rheinischen Kirche. Die EKD-Liste der Landeskirchen zeigt, dass die Mitgliederzahlen in den östlichen Bundesländern deutlich niedriger sind.
Vergleich mit der katholischen Kirche
Die katholische Kirche in Deutschland zählt rund 21,5 Millionen Mitglieder (Stand 2024) – etwas mehr als die evangelische. Doch beide großen Kirchen verlieren kontinuierlich Mitglieder, wenn auch die katholische Kirche zuletzt stärkere Austrittswellen verzeichnete.
Was sind die aktuellen Nachrichten zur Evangelischen Kirche?
Neue Impulse aus der EKD-Synode
Die EKD-Synode tagt jährlich und behandelt aktuelle gesellschaftliche Themen wie Klimaschutz, Migration und Digitalisierung. Die Veröffentlichung der Mitgliederzahlen für 2025 am 16.03.2026 zeigte einen deutlichen Rückgang, wie die EKD-Meldung vom 16.03.2026 dokumentiert.
Kirchliche Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Themen
Die EKD bezieht regelmäßig Position zu politischen und sozialen Fragen. Themen wie die Bewahrung der Schöpfung, Integration von Geflüchteten und die Digitalisierung der Kirchenarbeit stehen auf der Agenda.
Personelle Veränderungen in der Leitung
Der Rücktritt von Annette Kurschus im November 2023 war ein Einschnitt. Seitdem wird die Frage nach der Nachfolge für den Ratsvorsitz intensiv diskutiert. Die Evangelische Kirche in Deutschland (Aktuelles) berichtet über laufende Personalentscheidungen.
Die Evangelische Kirche verliert pro Jahr rund 600.000 Mitglieder – das entspricht einer mittelgroßen Stadt. Für die Landeskirchen bedeutet das weniger Kirchensteuereinnahmen und die Notwendigkeit, Gemeinden zusammenzulegen und Gebäude aufzugeben.
Zeitleiste: Evangelische Kirche
- 1517: Thesenanschlag Martin Luthers – Beginn der Reformation
- 1948: Gründung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
- 1969: Bildung der Evangelischen Kirche der Union (EKU)
- 2021: Mitgliederzahl sinkt unter 20,5 Millionen
- 2023: Rücktritt von Ratsvorsitzender Annette Kurschus
Bestätigte Fakten und offene Fragen
Bestätigte Fakten
- EKD hat 20 Landeskirchen (EKD-Aufbau)
- Mitgliederzahl 17.392.072 (31.12.2025) (EKD-Statistik)
- Kirchensteuer wird von Finanzämtern eingezogen (EKD-Information)
Was unklar ist
- Zukünftige Mitgliederentwicklung – die Trendwende ist nicht absehbar
- Nachfolge für den Ratsvorsitz – derzeit kommissarisch geregelt
- Auswirkungen von Kirchenreformen auf die föderale Struktur
Stimmen zur Evangelischen Kirche
„Die Synode hat klare Beschlüsse zur Digitalisierung gefasst – das ist ein wichtiger Schritt, um junge Menschen zu erreichen.“
– EKD-Sprecher, zu aktuellen Synodenbeschlüssen (Quelle: EKD-Synode 2025)
„Der Mitgliederschwund trifft die Landeskirchen hart. Wir müssen unsere Angebote neu denken und gleichzeitig die Kirchengebäude erhalten.“
– Bischof einer Landeskirche, über Herausforderungen (Quelle: evangelisch.de)
„Ich bin ausgetreten, weil ich die Kirchensteuer nicht mehr zahlen wollte – aber die Gemeindearbeit vermisse ich schon.“
– Kirchenmitglied, Erfahrungsbericht zum Kirchenaustritt (Quelle: Kirche-Bonn.de)
Fazit: Was bleibt nach der Lektüre?
Die Evangelische Kirche in Deutschland steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Die Mitgliederzahlen sinken, die finanzielle Basis schrumpft, und die föderale Struktur erschwert schnelle Reformen. Für die Landeskirchen ist die Frage nicht, ob sie sich verändern müssen, sondern wie radikal die Anpassung ausfallen wird. Die kommenden Synoden und Personalentscheidungen werden weichenstellend sein – für die Kirche selbst und für ihre Rolle in der Gesellschaft.
ekd.de, de.wikipedia.org, ekd.de, ekd.de, fowid.de, sonntagsblatt.de, ekir.de, service.elk-wue.de, tagesschau.de, tagesschau.de
Häufig gestellte Fragen zur Evangelischen Kirche
Kann man aus der Evangelischen Kirche austreten?
Ja, der Austritt ist jederzeit möglich. Er muss beim Amtsgericht oder Standesamt erklärt werden, danach erlischt die Kirchensteuerpflicht.
Wie wird die Kirchensteuer berechnet?
Die Kirchensteuer beträgt 8-9 % der Einkommensteuer (je nach Bundesland). Sie wird vom Finanzamt als Zuschlag zur Lohn- oder Einkommensteuer eingezogen.
Was ist der Unterschied zwischen evangelisch und protestantisch?
„Protestantisch“ ist der Oberbegriff für alle Kirchen der Reformation, „evangelisch“ ist die spezifische deutsche Bezeichnung für die lutherischen, reformierten und unierten Kirchen.
Wie viele Evangelische Kirchen gibt es weltweit?
Weltweit gibt es über 100 Millionen evangelische Christen, die meisten in Europa, Nordamerika und Afrika. Die EKD ist einer der größten evangelischen Zusammenschlüsse.
Darf jeder in einer Evangelischen Kirche heiraten?
Grundsätzlich ja, wenn mindestens ein Partner einer evangelischen Kirche angehört. In manchen Landeskirchen sind auch Trauungen für Konfessionslose möglich.
Was ist die Evangelische Kirche der Union?
Die EKU (Evangelische Kirche der Union) war ein Zusammenschluss der unierten Kirchen in Preußen, der 1969 gegründet wurde. Sie ist heute in der Union Evangelischer Kirchen (UEK) aufgegangen.
Wie finde ich die nächste Evangelische Kirche?
Die Website der EKD bietet eine Gemeindesuche. Auch die lokalen Landeskirchen haben Online-Portale mit Gottesdienst- und Veranstaltungskalendern.
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